Mit Kindern ins Ausland - Strategien für ausgeglichene Kinder

Singapur, 07. Juli 2020

Stefanie Guth, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Deutschland hat viel Erfahrung damit, was ein Umzug ins Ausland für Kinder bedeutet: Kulturschock, Heimatlosigkeit - aber auch Chancen durch neue Eindrücke und “Mehr-Perspektivität” wie sie es nennt. In einem gut einstündigen Webinar hat Stefanie Guth uns in sympathischer Art und Weise erläutert, was das (plötzliche) Leben im Ausland für Kinder bedeuten kann und was Eltern in ihrem Handeln berücksichtigen sollten. Hier findet Ihr die Mitschrift der wichtigsten Punkte. Am Ende wurden auch noch konkrete Fragen aus dem Teilnehmer-Kreis beantwortet. Gute und einfühlsame Anregungen für ein wichtiges Thema!

Wer sich näher informieren möchte findet Frau Guth hier: www.selbsterforschung.com
Sendet uns auch gerne Anregungen für ein weiteres Webinar, wenn Ihr psychologische Fragen zum Thema “Mit Kindern im Ausland” habt: info@german-association.org.sg


Kinder von 0 - 3 Jahren

Eine enge und sichere Bindung zu einer oder mehreren Bezugspersonen ist hier das Wichtigste. Kleinkinder verfügen noch über keinen Filtermechanismus: Wenn sie Emotionen begegnen, nehmen sie alles ungefiltert auf. Umso wichtiger, dass die Eltern als wichtigste oder einzige Bezugspersonen der Kinder “Selbstfürsorge” betreiben und sich mit ihren eigenen Gefühlen auseinandersetzen.

Kinder von 3 - 7 Jahren

Die Kinder sind in einem Alter, in den ihre Vorstellungskraft positiv genutzt werden kann, um den Ortswechsel zu verkraften. Rituale und Symbole sind hier wichtig. Vielleicht ist es ein Kieselstein oder ein gepresstes Gänseblümchen, das aus dem Vor-Wohnort mitgenommen werden kann. Die Kinder sollten in ihrer Eingewöhnung betreut werden, ihnen kann bereits etwas zu-getraut und auch zu-gemutet werden. Wichtig ist, einen Raum zu schaffen, in dem Kinder sich autonomisieren dürfen. Das kann auch mal ein Wutanfall sein. Da können wir dem Kind ruhig sagen, es ist OK, wenn du wütend bist. Da kommst du durch - und auch wir als Eltern halten das aus. Diese Phase der Reifung ist extrem wichtig für die spätere emotionale Stabilität des Kindes.

Kinder von 8 - 12 Jahren (Vor-Pubertät)

Hier spielen Werte und Normen eine wichtige Rolle, und diese dürfen zwischen Eltern und Kindern auch besprochen werden. Die Eltern sollten sich vor Augen führen, aus welchem Kulturkreis mit welchen Normen die Familie kommt (zum Beispiel aus dem deutschen Kulturkreis), und mit welchen Norm-Vorstellungen die Kinder im Ausland konfrontiert sind. Gerade bei Mädchen ist auch manchmal eine totale Angleichung untereinander zu beobachten (alle haben dieselbe Frisur), teilweise dann wieder gefolgt von einer Phase der Abgrenzung, Differenzierung. Das sollte von Eltern durchaus aktiv begleitet werden: Was macht dich aus? Was macht deine Freundin aus? Stellung zu beziehen hilft dem Kind, seine eigene Position zu finden. Auch Rituale als Familie spielen in dieser Zeit eine wichtige Rolle, z.B.: Wie wollen wir Weihnachten feiern, wie gestalten wir unsere Feste unter Palmen?

Kinder von 13 - 21 Jahren (Pubertät/ Adoleszenz)

Hier kann es wilde Phasen geben! Vielleicht will das Kind gar nicht mit ins Ausland!? Ab 16 Jahren ist das grundsätzlich denkbar, wenn in der Heimat eine praktikable Lösung besteht. In dieser Zeit der Pubertät verändert sich die ganze Welt für die Kinder, der ganze Körper und damit auch das Gehirn wird sozusagen “umprogrammiert”. Körperliche Nähe zu den Eltern kann plötzlich abgelehnt werden und es kann zahlreiche Konflikte, Abgrenzungen geben. Diese müssen gelöst werden, starke Gefühle müssen ausgehalten werden. Wichtig ist, die Privatsphäre der Kinder zu berücksichtigen, andere Meinungen zuzulassen und gemeinsame Lösungen, auch unter Einbeziehung von Freund/in, zu finden.


Quick links: Mitgliedschaft | Events | Kontakt

Copyright © 2020. German Association. All rights reserved.

   Follow us

Powered by Wild Apricot Membership Software