Online Seminar: Stressbewältigung in besonderen Situationen

Singapur, 23. September 2020

David Neumann, Diplompsychologe und Coach aus Stuttgart, hat viel Erfahrung damit, wie man mit stressigen Situationen umgehen und Lösungen finden kann. In einem gut 90minütigen Webinar hat David Neumann uns in sympathischer, fundierter und lebendiger Art und Weise erläutert, wie genau Stress entsteht, wie sehr wir unseren Vorfahren aus Urzeiten noch ähneln und welche Strategien zur Bewältigung von Stress es gibt. Unten stehend findet Ihr die Mitschrift der wichtigsten Punkte, oder hier als PDF zum Download. Am Ende wurden auch noch konkrete Fragen aus dem Teilnehmer-Kreis beantwortet. Gute und einfühlsame Anregungen für ein wichtiges Thema, das eigentlich Stoff für mehrere Tage Workshop bietet. 

Wer sich näher informieren möchte findet David Neumann hier: www.neumann-coaching.com.

Sendet uns auch gerne Anregungen für ein weiteres Webinar.

Online Seminar (Zoom): Stressbewältigung in besonderen Situationen mit David Neumann, Stuttgart/Amsterdam

Nachlese

Wir stolperten bei unseren Morning Coffees, beim gemeinsamen Laufen oder im Freundeskreis schon öfter über die Frage, ob das Thema Stress in der Corona-Zeit besonders aktuell ist und uns nun plötzlich wesentlich mehr betrifft als vor den Corona-Zeiten. Als sich dann über einen langjährigen Kontakt in Deutschland die Möglichkeit bot, ein online Seminar für die German Association zu organisieren, waren die zahlreichen Anmeldungen ein Zeichen für uns, einen Nerv getroffen und Interesse geweckt zu haben.


Am 23. September 2020, abends um halb acht, trafen wir uns also virtuell in einem Zoom Meeting, um von einem erfahrenen Coach erstmal über die bewussten und unbewussten Steuerungen in uns zu erfahren (die Begriffe Cortisol und Adrenalin kennen wir wohl alle, aber der Biologie Unterricht aus der Schule ist doch schon eine Weile her…) und wie wir den unbewussten Vorgängen bewusst und stressbewältigend entgegentreten können. Der interessante und wissenschaftlich fundierte Einstieg bot Raum für die anschließenden Erklärungen und Anregungen.

„Wie entsteht Stress, woher kommt er? Warum? Wie reagieren wir emotional und auch körperlich darauf?“ Waren die Fragen, die uns zum Einstieg beschäftigten. Viele kurzfristige körperliche Reaktionen wie hoher Blutdruck, schnellere Atmung aber auch langfristige Reaktionen des Körpers wie ein geschwächtes Immunsystem oder gestörte Verdauung wurden in Relation gebracht und erklärt.


Damals und heute

Dass Stress bereits zu Urzeiten vorhanden war, wenn auch auf manch andere Art und Weise, machte uns David Neumann sehr anschaulich mit seinen Folien klar – der Bedrohung, die früher ein wildes Tier darstellte,  stehen wir heutzutage eher selten gegenüber, dafür „plagen“ uns aber genauso bedrohliche Situationen in anderer Form. Die Emotionen (Angst und Ärger) sowie die körperliche Aktivierung sind genau wie in der Urzeit weiter vorhanden. Unsere heutigen Verhaltensweisen passen aber nicht mehr dazu: „Wegrennen oder Kämpfen“ sind in heutigen Zeiten nicht immer die Mittel der Wahl – das brachte ein Schmunzeln auf unsere Gesichter. Aber genau dafür wurde damals und wird heute das Adrenalin ausgeschüttet – um blitzschnell aktiviert zu sein, um genau das Verhalten ausführen zu können, das zur Beseitigung des „Problems“ nach eigener Einschätzung und Erfahrung am besten geeignet ist.


Die Vorgänge im menschlichen limbischen System wurden von David Neumann anschaulich am Beispiel des Urzeitmenschen erklärt, ebenso die Reaktionen des Körpers auf das Erkennen einer Gefahr (Stress).

Genauso reagieren wir heute auf Gefahr, Unbekanntes, Stress – nur müssen wir anders damit umgehen.


„Auf völlig unterschiedliche Weise sehen sich viele Menschen, die bislang ihren Alltag mit all seinen Themen gut im Griff hatten, plötzlich mit völlig neuen Herausforderungen konfrontiert und dadurch gestresst“, so unser Dozent David Neumann. Besonders hart sei es aber für all diejenigen, die ohnehin zuvor schon gestresst waren. „Die zusätzlichen Belastungen bringt gerade bei diesen Menschen das Fass sprichwörtlich zum überlaufen“. David Neumann meint, das Herausfordernde dieser Zeit liege vor allem auch daran, dass viele dieser Stressoren gleichzeitig und kombiniert auftreten – und dass nicht nur wir selbst, sondern auch unser Umfeld sehr gefordert ist und uns, anders als sonst vielleicht, nicht wie gewohnt mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Was immer noch Gültigkeit hat, auch wenn wir den Urmenschenzeiten und seinen spezifischen Gefahren längst entwachsen sind - Die Energie, die in stressigen Situationen über das limbische System erzeugt wird, muss abgebaut werden, bevor sie langfristige negative Auswirkungen auf uns haben kann.


Akuter Stress und chronische Überlastung/anhaltender Stress

Typische Stressauslöser können Termindruck, Erwartungsdruck, zwischenmenschliche Konflikte, Angst um den Arbeitsplatz und in unserem speziellen Dasein als Expats auch das schlechte Gewissen gegenüber der zurückgelassenen Familie oder die sehr eingeschränkten Reisemöglichkeiten in Corona-Zeiten sein, um nur wenige Beispiele zu nennen. Stress kann durch ganz unterschiedliche Dinge ausgelöst werden, er kann sehr akut sein, wenn man beispielsweise zu einem wichtigen Termin zu spät kommt, oder langanhaltend, wenn z.B. das schlechte Gewissen über Wochen und Monate nicht schweigen mag.

Natürlich gibt es sogar eigentlich positive Dinge, die uns stressen können: eine große Geburtstagsfeier oder eine bevorstehende Fernreise. Letztendlich empfinden wir Stress immer dann, wenn wir mit einer uneindeutigen, vielleicht auch sehr neuen Situation konfrontiert sind und nicht wissen, ob und wie wir sie meistern können.

Wir erfuhren während unseres Workshops eine ganz wichtige Tatsache - dass es grundsätzlich damals wie heute super und hilfreich ist, dass wir Menschen überhaupt so einen Mechanismus haben, der uns aktiviert und Energie bereitstellt, die wir benötigen, um unsere Herausforderungen auch anpacken zu können. Aber Stress selbst kann natürlich extrem belastend sein, da gibt es nichts schön zu reden. Es ist daher wichtig, dass wir konstruktiv nach Lösungen suchen und dadurch den Stressor entweder abschwächen oder ganz abschalten, oder zumindest lernen mit ihm besser umzugehen. Stressmanagement ist dabei das Zauberwort, wobei wir vielleicht in erster Linie an Entspannungstechniken denken mögen, die uns helfen, Stress zu bewältigen. „Es ist ungemein wichtig, dass wir uns gerade in stressigen Zeiten immer wieder Ruhepausen gönnen und uns gezielt entspannen. Unser Körper – und auch unser Geist – brauchen Erholung. Genauso wichtig ist aber auch regelmäßige Bewegung damit wir unsere überschüssige Energie loswerden. Man kann sehr viel machen, um nach einem stressigen Moment wieder in Richtung „Normalnull“ zu kommen.“, erklärte uns David Neumann.

Stressmanagement: Davor – Währenddessen – Danach

Wir haben erfahren, dass der Schlüssel zu nachhaltigem Stressmanagement nicht nur in dem „danach“, sondern auch in dem „davor“ und „währenddessen“ liegt: Was kann ich tun, um Stress gar nicht erst entstehen zu lassen? Was kann ich in einer Akutsituation tun damit ich mit ihm besser umgehen kann?

Vorbereitung, Planung, „Nein“ sagen, Erwartungen realistisch einschätzen

Wir sollten uns vorbereiten, so David Neumann. „Wenn ich weiß, dass ich morgen einen wichtigen Termin habe, dann sollte ich mich spätestens heute mit ihm auseinandersetzen und den Termin vorbereiten. Wenn ich weiß, dass ich häufig Zeitprobleme habe, dann ist es hilfreich Ziele zu definieren, zu priorisieren und entsprechend zu planen. Man kann lernen seine Netzwerke besser zu nutzen und man ebenfalls lernen, hin und wieder einmal nein zu sagen.

Es ist aber häufig auch sinnvoll an der eigenen Einstellung zu arbeiten. Häufig haben wir einfach unrealistisch hohe Anforderungen an uns: Wir wollen alles perfekt machen, und alles alleine und dabei möglichst jedem gerecht werden. Hier dürfen wir ruhig etwas gnädiger mit uns sein. An den richtigen Stellen auch mal 5e gerade sein lassen, ist ein ganz wichtiger Schlüssel zu einem entspannteren Leben. Und das kann man lernen!“


In stressigen Situationen öfter mal den versuchen, „den Kopf freizubekommen“, sei es durch Bewegung oder auch 15 Minuten Ruhe bei einer Tasse Tee, hilft, der stressigen Zeit besser gewappnet entgegenzutreten. Dabei helfen kann auch progressive Muskelentspannung oder Meditation zu einem ruhigen Musikstück, dazu wurden während des Seminars zwei Übungen durchgeführt, denen wir alle am Bildschirm gut folgen konnten.

 

Außer einer akuten Stresssituation gibt es natürlich noch das Gefühl permanenter Überlastung, auch hier helfen folgende Ansätze:


Wir lernen daraus: Nicht immer 100% perfekt sein zu müssen, andere um Hilfe zu bitten, gezielt zu entspannen und Auszeiten zu nehmen (in einer Form, die uns individuell gut tut) sowie Bewegung in den Alltag einzubauen, können uns durchaus helfen, chronischer Überlastung, die schnell in einer Abwärtsspirale resultieren kann, einen bewussten Strich durch die Rechnung zu machen, das limbische System, in dem die unbewussten Vorgänge ablaufen, bewusst durch unsere gezielten Maßnahmen etwas zu beeinflussen und uns dadurch weniger gestresst zu fühlen.

Lobrede auf das Problem

Wenn wir wieder einmal meinen, von einer Situation völlig übermannt zu werden, kann auch die folgende Strategie helfen: das akute Problem aktiv positiv anzugehen!

Dabei helfen vielleicht die folgenden Sätze, die wir gedanklich vervollständigen können, um somit dem akuten Problem den Schrecken zu nehmen:


Wenn wir einen dieser positiv geladenen Sätze auf unser aktuelles Problem anwenden und vervollständigen können, sollten wir den Stress, der dadurch ausgelöst worden ist, etwas reduzieren können, indem wir der akuten (negativen) Situation etwas Positives abgewinnen können.

In den 90 Minuten des Vortrages (mit Übungen) haben wir sehr viel über die Entstehung von Stress, über die Geschichte und über den Umgang mit möglichen Techniken zur Stressbewältigung gelernt. Eines unserer Expat-Hauptprobleme, die Unsicherheit beim Reisen ins Heimatland, können wir mit diesen Strategien zwar nicht direkt lösen, wir können aber dafür sorgen, dass uns das Problem nicht dominiert und dagegenhalten.

Die Entstehung von Stress und die Möglichkeiten zur Stressbewältigung sind keine Themen, die in 90 Minuten allumfassend und abschließend behandelt werden können, daher ist es durchaus angebracht, sich selbst weiter mit den Themen zu beschäftigen, sei es durch entsprechende Literatur, Apps, Workshops, Einzel-Coaching oder – ganz wichtig – auch durch den Austausch mit anderen! Damit entließ uns David Neumann nach einem spannenden Vortrag. Vielen Dank dafür!


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